Till Schmidt über Francisco Valenca Vaz

In Franciso Valenca Vaz‘ Bildern und Installationen spielen verschiedene Aspekte von Raum eine Rolle. Da ist zunächst der konkrete Ort, in dem ausgestellt wird. In jüngerer Vergangenheit waren das nicht white cubes, sondern ein alter, leergeräumter Blumenladen, eine ehemalige Lagerhalle in Bahnhofsnähe oder ein abrissbereites, früheres Wohnheim für Krankschwestern.

Diese Orte sind vor allem durch Abnutzung gekennzeichnet. Zahlreiche Spuren verweisen auf die Geschichtlichkeit dieser Räume, auf einen konkreten Ort, der zeitlich vor Vaz‘ künstlerischer Nutzung liegt. Gleichzeitig stellt Vaz‘ auch in bewohnten Wohnungen aus. In einem Treppenhaus und einem Dampfbad eines kunstaffinen Ehepaars platzierte er kürzlich zwei Beamer-Projektionen; in Räumen also, die ebenfalls durch Spuren geprägt sind: in Gestalt von benutzbaren und alltäglich benutzten Gegenständen.

Indem Vaz‘ die vorgefundenen Räume stärker in den Produktionsprozess einbezieht, hat sich ein größerer Teil seiner künstlerischen Arbeit an die Ausstellungsorte selbst verlagert. Mit seinen Bildern und Installationen treten diese in ein eigenwilliges Wechselverhältnis. Sie werden Teil des Raumes und verändern ihn zugleich – wie genau, das entscheidet sich mitunter erst vor Ort, Installationen im Atelier sind daher vergleichbar mit einem Test.

In Vaz‘ Gemälden wird durch Schichtungen, Übermalungen und Anordnungen mit der räumlichen Wahrnehmung und der Phantasie der Betrachtenden gespielt. Etwa bei den flächigen, abstrakten Bildern wie „o.t.“ (2019). Oder etwa aber bei „No Entry“, auf dem gar konkrete Gegenstände wie ein Treppenhaus und ein Fenster zu sehen sind. In Werken wie dem ebenfalls „o.t.“ genannten Gemälde (2019) lassen sich solche Gegenstände – eine verschwommene Marienstatue? – allenfalls vermuten. Alle diese Bilder eint ein komplexes Verständnis von Raum sowie eine präzise Anordnung einzelner Farbflächen und -elemente.

Im Vergleich zu den Bildern wird die räumliche Wahrnehmung der Betrachter in den Licht-Installationen noch einmal anders herausgefordert, etwa in „o.t.“ (2019), „111, 121, 85“ (2019) sowie „Brilho“ (2019). Dabei wird der gesamte Raum – oder zumindest größere Ausschnitte desselben – miteinbezogen. Hier werden aber nicht nur vor Ort vorgefundene Gegenstände zum Bestandteil der Kunstwerke gemacht, sondern teils auch eigene, wie etwa eine schiffsförmige Pappskulptur oder aufgewickelte Stromkabel.

Oder Vaz‘ weitet die Projektionsfläche von den Wänden hin zum Boden aus. Bei „Brilho“ zum Beispiel entsteht so eine an einen Rasen erinnernde Fläche. Sie fügt der grellen, digitalen Projektion an den Wänden etwas organisch Anmutendes hinzu. Das wird wiederum konterkariert durch die neon-grüne Farbgebung der Bodenfläche. Vaz‘ Arbeiten spielen mit den Erwartungen und Sehgewohnheiten der Betrachtenden, und sie legen Fährten, mitunter auch falsche. Vor allem arbeiten sie sich an Räumen ab, an imaginierten wie auch an realen. Und, indem sie neue erzeugen.