Christian Kölbl, Nora Olearius und Hannah Wolf

Erröffnung MMS OFFSPACE |  11.01.2020 - 23.01.2020

Austellungsansichten/Fotografie: Manja Herrmann

 

Mit der Ausstellung von Christian Kölbl, Nora Olearius und Hannah Wolf werden zwei Bremer und eine Leipziger künstlerische Position zusammengebracht, die medial in dieser Präsentation sehr unterschiedlich auftreten. Hannah Wolf bezieht sich in ihrer Arbeit auf das inzwischen abgerissene Istanbuler Opernhaus „Atatürk Kültür Merkezi“, ein Politikum in der Stadt und ein Symbol für die aggressive türkische Innenpolitik. In manchmal sehr direkten, beinahe dokumentarischen Fotografien nähert sie sich feldforscherisch ihrem Thema, das sie jedoch in der überwiegenden Zahl der Bilder auf Metaebenen darstellt und politisch einordnet. Gelegentlich sind ihre Inhalte beiläufig, scheinbare Momentaufnahmen, hinter denen bei näherer Betrachtung die (gesellschafts)politische Dimension lauert. Nora Olearius gibt einen ungewöhnlichen Überblick über die letzten Schaffensjahre. Die überwiegende Zahl ihrer Projekte waren temporäre und ortsspezifische Installationen, nebenbei hat sie jedoch – teils in Bezug zu ihren anderen Arbeiten – kleine Gemälde von Gegenständen geschaffen, fotorealistische Abbildungen von technischen Objekten, die eher auf einen allgemeingültigen ästhetischen Status als auf ihre alltägliche Funktion befragt werden. Ähnlich agiert Christian Kölbl in seinen teils vielschichtigen Installationen, die immer wieder jedoch sehr präzise wiedererkennbare Alltagsgegenstände ihrer eigentlichen Funktionalität enthebt, obwohl sie genauso zu funktionieren scheinen. Für das MMS entwickelt er aus Computerlüftungen Objekte, die nichts lüften als sich selbst und den Umraum, ohne dass es sich um Ventilatoren zur Raumkühlung handelt. Diese Ebene wird in kopierten Bildern der Objekte noch einmal gespiegelt.

Es ist eine ebenso abstrakte wie absurde Ebene der Selbstreferenz, die mit dem ästhetischen Transfer der Gegenstände von Nora Olearius und dem Symbolgehalt des abgerissenen Istanbuler Opernhauses bei Hannah Wolf die Frage nach der Möglichkeit der Verschiebung scheinbar eindeutiger Funktionen gemeinsam hat.

Ingmar Lähnemann

ein großer Dank geht an

Karin und Uwe Hollweg-Stiftung,
Hochschule für Künste Bremen,
AsTA HFK Bremen,
ZwischenZeitZentrale Bremen,

und

K´ Zentrum Aktuelle Kunst, Ingmar Lähnemann, Tanja Möwis Keramik, Lilith Paluch, Frederike Lauschke, Thomas Böker, Ele Hermel, Detlef Roth, Manja Herrmann, Jarrid Tschaikowski, Klaus Kiefer, Saskia Kummle und Nils.